|
Zurück
Unsere Begriffserklärung "System"
Ein "System" gibt es nicht
Der Begriff "System" beschreibt eine Beobachtungsleistung eines Betrachters, es beschreibt nichts, das
real existiert. Im beratenden und therapeutischen Kontext - um den es hier auschließlich geht -
verstehen wir als System jede Gruppe von Menschen, die über eine klare Außengrenze verfügt.
Klassisch ist das natürlich in erster Linie eine Familie, aber auch eine Abteilung, eine Firma, ein
Sportverein, ein Land etc. kann man als System bezeichnen. Der zentrale Unterschied hier ist nur, dass
man in dem System "Familie" nicht selbstbestimmt eintritt und immer Mitglied bleibt, bei anderen
Systemen aber ein- und austreten kann.
In einer derartigen Gruppe von Menschen haben sich gewisse Regeln und Wirkmechanismen zwischen den
Menschen als zentral und wichtig erwiesen, wie z.B. das Recht auf Zugehörigkeit, aber auch
hierarchische Ordnungen. Dazu hat sich der Begriff von "systemischen Regeln" eingebürgert. Aber auch
hier ist es nicht "das System" welches Regeln bestimmt und auf deren Einhaltung dringt, sondern
eine Beobachtung, dass, wenn Menschen etwas tun was diesen Regeln nicht entspricht, Auswirkungen
auftreten können (aber nie müssen!).
Ein Beispiel: Die Landschaft
Eine gutes Beispiel für die Beschreibung eines Systems sehen wir in dem Begriff "Landschaft". Auch eine
Landschaft existiert nicht selbstständig als ein Gegenstand, sondern ist ebenfalls eine
Beobachtungsleistung eines externen Beobachters:
"Kinder, schaut euch doch mal diese schöne Landschaft an!"
Real existiert vielleicht ein Fluss, ein See, ein Berg oder ein Wald. Teile davon, die zusammen kommen,
bezeichnet man dann als Landschaft.
Ich kann in einem Fluss angeln, in einem See schwimmen, einen Berg besteigen. Ich angele oder schwimme
aber nicht in einer Landschaft.
Für eine neue Strasse wird z.B. eine Brücke über den Fluss gebaut, eine Schneiße durch den Wald
geschlagen oder ein Tunnel in den Berg getrieben. Es wird aber keine Brücke in die Landschaft gebaut,
oder ein Tunnel in die Landschaft getrieben - und doch haben alle diese Maßnahmen Auswirkungen auf
die Landschaft.
Resume
Wenn eine Landschaft die Eigenschaft hat "schön" zu sein, so ist das eine beschreibende Eigenschaft
eines individuellen Beobachers (jemand anderes findet die gleiche Landschaft vielleicht gewöhnlich),
und keine innere tatsächliche Eigenschaft dieser Landschaft. Und natürlich hat eine Landschaft auch
keine Fähigkeiten (keine Landschaft kann etwas "tun").
Genauso verhält es sich mit einem System, da es ebenfalls nur das Ergebnis einer Betrachtung ist: Es
hat keine Eigenschaften (außer denen, die dem System von dem Betrachter zugesprochen werden), und erst
recht keine Fähigkeiten. Somit sind für uns Aussagen in der Form "Das System wird es dann richten"
oder "Und jetzt wirkt das System" problematisch.
Wenn sich (z.B. nach einer Aufstellung) durch erweitertes Wissen und ein anderes Verstehen ein Mensch
auch nur
geringfügig anders verhält, hat das eventuell Auswirkungen auf sein Umfeld, und das kann wieder den
Menschen ändern.
|